Longenarbeit - Geraderichten auf gebogenen Linien

Die Arbeit mit der Einzellonge am Kappzaum unterstützt das Pferd bei der Geraderichtung auf gebogenen Linien. In dem ich das Pferd während des Longierens verstärkt mit dem Kopf nach innen stelle, lernt es seine innere Schulter anzuheben anstatt sich in die Kurve zu werfen.  So lernt es sich zu balancieren. Gerade junge Pferde, die sich kaum mit ihrem eigenen Gewicht balancieren können, sollen bald geritten werden und ein Reitergewicht plus Sattel tragen! Whow, welch' großer Schritt, hinaus aus dem Kindergarten, hinein in die Arbeitswelt. 

 

Viele Pferdehalter meinen ihr Pferd sei so brav, wenn sie das erste Mal drauf sitzen. Und das Pferd ist eigentlich noch in Schockstarre, denn es muss nun lernen sich und den Reiter in der Bewegung zu balancieren. Dazu muss es lernen seine Tiefensensibilität zu schulen und die Informationen von seinem Nervensystem aus der Peripherie richtig zu interpretieren. Dazu bedarf es Millionen von Informationen, die sein Gehirn nun verarbeiten muss. Und wir denken, das wird es schon schaffen, schließlich ist es groß und stark.

 

Durch sein sogenanntes propriozeptives System weiß das Pferd, wie seine Beine, sein Körper innerhalb eines Raumes stehen. So kann es jederzeit entscheiden nicht gegen die Wand der Reithalle zu laufen und wenn es in ein Loch tritt, dann weiß es, dass seine Balance nun korrigiert werden muss. So auch bei Stolpern oder gegen eine Stange schlagen.

 

Bei der Arbeit am Kappzaum an der Longe oder an der Hand, lernt es sich zunächst ohne Reitergewicht auf einer gebogenen Linie gerade zu richten. Das bedeutet, dass es lernt, sich an der äußeren Seite so weit zu biegen, dass es mit den Hinterhufen in die Vorderhufspur treten kann. Dazu muss es seine innere Schulter zurück nehmen können. Das kann es nicht, nur weil wir es von ihm wollen! Diese Bewegung muss erlernt werden. Wenn es das sicher auf beiden Seiten kann, dann kann es sich trotz seiner "natürlichen Schiefe" sicher in alle Richtungen bewegen. Jetzt erst sollten wir mit dem Reiten beginnen. 

 

Das gleiche gilt natürlich auch für erwachsene Pferde mit anatomischen Fehlhaltungen, die nie gelernt haben, sich unter dem Reitergewicht zu balancieren. Sie versuchen vermutlich schon ihr ganzes Leben lang es irgendwie zu bewerkstelligen nicht hinzufallen und haben während des Reitens erheblichen Stress. Gerade Schulpferde, die auch zudem noch ausgebunden werden und vor allen die armen Geschöpfe, die mit Schaufzügeln in eine bestimmte Hals-Kopf-Haltung gezwungen werden.

 

 

 

 

 

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© 2014 Ellen von Dahlen